Interview mit Hannes Huch vom Café Kraft Nürnberg

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Café Kraft Boulderhalle Nürnberg

Hier lest ihr nun mein erstes Interview und ich muss sagen, ich habe es mir leichter vorgestellt. Wie interviewe ich und noch viel schwieriger, wie bringe ich es später dann aufs Papier bzw. auf den Blog? Das hat mir in der Schule wieder niemand beigebracht! Gott sei Dank hatte ich mit Hannes Huch von der Boulderhalle Café Kraft einen entspannten und auskunftsbereiten Interviewpartner gegenüber. (Reto war nicht dabei, da er gerade Papa geworden ist.)


Tobi: Servus Hannes.
Hannes (kam direkt vom Bouldern): Servus.

Tobi: Oh, ich hoffe, ich habe nicht bei deiner Trainingseinheit gestört, wirst jetzt ja nicht mehr so oft Zeit zum Bouldern haben?
Hannes: Nö, stimmt so nicht, wir Chefs stehen mindestens einmal die Woche selber hinter der Theke. Also direkt am Ort des Geschehens, um zu sehen, wo es noch hakt und wo noch im Service nachgebessert werden kann. Und wenn mal nicht so viel los ist, kann ich natürlich nach Herzenslust bouldern.

Tobi: Jetzt sind es fast drei Monate, seitdem das Café Kraft seine Pforten geöffnet hat. Wie seit ihr mit dem Ergebnis bis jetzt zufrieden?
Hannes: Wir sind sehr zufrieden. Wir hätten nicht gedacht, dass es nach drei Monaten schon so gut läuft und die Boulderhalle auf so große Akzeptanz trifft. An manchen Tagen, wie zum Beispiel Mittwochabends stößt die Kapazität der Halle schon manchmal an ihre Grenzen. Gott sei Dank haben wir noch die Option, die Halle zu vergrößern, und ein Außenboulderbereich war auch von Anfang an schon angedacht. Dadurch haben wir noch Möglichkeiten, das Ganze in Zukunft noch zu entzerren.

Tobi: Wann ist bei euch eigentlich die Idee entstanden, in Nürnberg eine Boulderhalle zu eröffnen? Ich schätze, ihr tragt die Idee schon länger mit euch herum, oder?
Hannes: Nein, gar nicht. Also die Idee kam zum ersten Mal im Januar 2010 auf. Ich hatte keine Lust mehr auf stickige Boulderlöcher (lacht). Reto und ich haben uns seit langer Zeit mal wieder gesehen, ich erzählte ihm von meinem Vorhaben und er war sofort Feuer und Flamme. Dann ging alles ziemlich schnell. Natürlich mussten noch viele Dinge, wie Nutzungsumschreibung bei der Stadt oder welche Oberflächen die Kletterwände haben müssen, vorher geklärt werden, bevor es dann endlich losgehen konnte. War aber alles unter Dach und Fach, haben wir für den eigentlichen Bau nur 2 Monate gebraucht.

Tobi: Bestimmt musstet ihr viele Nachtschichten einlegen?
Hannes: Nein, gar nicht, mit Gerald Ulrich hatten wir den perfekten Projektleiter mit viel Erfahrung aus dem Messebereich. Natürlich war es anstrengend, aber es wurde nie später als 19 Uhr und Samstag und Sonntag war uns heilig. Zum Ende hin wurde es noch mal eng, schlussendlich war auch das kein Problem.

Tobi: Hattet ihr nie Bedenken, dass das Café Kraft ein Flop werden könnte?
Hannes: Niemals! Wenn man solche Bedenken hat, sollte man sich auf so ein Projekt gar nicht einlassen. Wir hatten auch viele Erfahrungsberichte aus anderen Städten, die uns in unserer Entscheidung, das Richtige getan zu haben, nur noch bestärkt haben.

Tobi: Ihr habt die Halle ohne finanzielle Unterstützung von DAV oder anderen Vereinen auf die Beine gestellt. Stand es für euch nie zur Debatte, einen der genannten mit ins Boot zu holen?
Hannes: Ehrlich gesagt? Nein! Uns war es extrem wichtig, unabhängig zu bleiben und vor allem entscheidungsfähig. Das heißt, in einem Verein musst du immer auf die Mitglieder Rücksicht nehmen. Da können sich wichtige Entscheidungen schnell über Jahre hinziehen, das wollten wir unter keinen Umständen.

Tobi: Ich finde es sehr komisch, dass jetzt, wo das Café Kraft geöffnet hat, kein Monat vergangen ist, bis der DAV Nürnberg plötzlich ein eigenes Kletterzentrum eröffnen und sogar Wettkämpfe austragen will. Angst?
Hannes: Nein (lacht). Noch steht es nicht und es ist ein sehr ambitioniertes Projekt, da kann noch viel passieren. Außerdem kann Konkurrenz nicht schaden und außerdem können im Raum Nürnberg beide problemlos existieren. Wettkämpfe werden auch im Café Kraft stattfinden, zum Beispiel Soulmoves. Und wir lassen uns bestimmt noch mehr einfallen.

Tobi: Was mich etwas gewundert hat, ist, dass man nicht die Möglichkeit hat, eine Mitgliedschaft ähnlich wie in einem Fitnessstudio bei euch abzuschließen. Hat das einen speziellen Grund?
Hannes: Was du meinst, ist ein monatlicher Beitrag. Das ist geplant, aber das braucht eine gewisse Vorlaufzeit und das hätte die Eröffnung nur unnötig hinausgezögert. Da müssen Verträge vom Anwalt wasserdicht gemacht werden und es muss alles gut durchdacht sein. Sonst kommt am Ende noch die böse Überraschung.

Café Kraft - Boulder (Bild klicken für 360°)

Tobi: Was unterscheidet das Café Kraft von anderen ordinären Boulderhallen?
Hannes: Wir sind der Meinung, die Verbindung von Klettern und geselligem Beisammensein ist uns gut gelungen. Hier trifft der Hardcore-8a-Boulderer auf den blutigen Anfänger und es ist ein Miteinander, nicht ein Gegeneinander. Es gibt genügend Routen in jedem Schwierigkeitsgrad und wir haben versucht, alles so hell und übersichtlich wie möglich zu halten. Ich denke, wir haben da eine gute Mischung gefunden.

Tobi: Hannes, ich danke dir für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg mit dem Café Kraft.
Hannes: Danke.

Abschließend muss man sagen – Respekt! Da hat mal jemand den Mut aufgebracht, das Gesagte auch in die Tat umzusetzen. Was habe ich im Vorfeld nicht schon alles gehört, dass das nie was wird mit der Boulderhalle, alles heiße Luft usw. Tja, da steht sie nun und der eine oder andere wird sich sagen, Mensch hätt’ ich mich das auch getraut.
Meiner Meinung nach wurde es höchste Zeit für Nürnberg und Umgebung, eine eigene Boulderhalle zu besitzen. In diesem Sinne, vielleicht trifft man sich mal im Café Kraft auf einen Kaffee Kraft.


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Offizielle Homepage vom Café Kraft
Porträtfoto von Frank Kretschmann
Panoramaaufnahme von Yvonne Michailuk

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